Höchster Wohnturm Spaniens-Benidorm im Bauskandal-"Benihattan" oder "Beniyork"

Veröffentlicht auf von Angelika


Benidorm ist eine Stadt an der Costa Blanca. Sie liegt direkt am Meer, 45 km nordöstlich von Alicante in der Provinz Alicante, in der Region Valencia, Spaniens. 
Benidorm ist eine häßliche Stadt, Benidorm ist eine unglaubliche tolle Stadt. Die Meinungen über Benidorm gehen auseinander. Aber die Stadt bietet viel, und vieles was keine andere Stadt in Spanien hat. Kenner nennen sie  auch wegen ihres Hochhausambiente "Benihattan" oder "Beniyork". Der  "american way of life"  wird hier allemal zelebriert, auch wenn Amerika längst in dieser Hinsicht kaputt ist. Wen kümmert das hier in diesem Moment? Der schöne Schein und die Illusion ist es, was hundertausende Besucher aus der ganzen Welt hierher lockt und das rund um das ganze Jahr.
Alles, nicht nur die Lebensweise ist außergewöhnlich in dieser Stadt, auch die Bauweise. Zwischen einem immer kristallblauen Meer und dem Plateaus und Vorsprüngen des Aitanagebirges das sich rostrot als umrankende Kulisse der Stadt zeigt, ist bebaubarer Boden rar und entsprechend teuer. Man ging also in die Höhe und ein kleines Wochenendehäuschen mit Garten findet hier keinen Platz. So entstand in der Boomzeit der  höchster Wohnturm Spaniens, der "Torre (Haus) Lugano". 
Den zukünftigen Käufern versprach man Luxuswohnungen auf höchster Ebene in einem internationalen  Ambiente  mit einem glasummauerten Aufzug und atemberaubender Aussicht auf  die beiden halbrunden Buchten mit türkisem Wasser und seinen immer spektakulären Sonnenuntergängen. Marketing-Entwickler begannen Torre Lugano 2003 aus dem Boden zu stampfen. Die Wohnungen des Turms angeordnet im Preis von 180,000 € bis 710,000 € wurden auf Hochglanzbroschüren angeboten, und sollten Zugang zu Tennisplätzen, Spielplatz und einer Turnhalle haben. Das Projekt war ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Acciona SA, einer von Spaniens größten Baumeistern, und Caja de Ahorros de Valencia, Castellón y Alicante, oder Bancaja, der größte Geld-Verleiher in Valencia. Bancaja befindet sich zur Zeit in einer Fusion mit anderen Regionalsparkassen, also in einer Umstellung und Abkopplung des heiklen Bau-Sektors.
Nun zur Wirklichkeit des Torre Lugano. 
Der Glasaufzug wurde nie gebaut. Die Garagen-Überschwemmungen häufen sich, die Fenster sind zugig, und die Toiletten überschwemmen Wohnungen mit dem Abwasser. Atemberaubendes Ambiente erfuhren auf diese Weise die Käufer und verklagten nach einem langen Leidensweg die Entwickler auf 28.2 Millionen €. Herbei eilende Gutachter sagen, das dies Gebäude so defekt ist, das es dafür eigentlich keine (in Spanien Vorschrift- Cedula de habitabilidad-Bestätigung zur Bewohnbarkeit) gibt. Torre Lugano, angepriesen als das Luxusobjekt in Spanien überhaupt, ist nicht das einzige Beispiel für Alptraum gewordener Luxus in Spanien. Die Liste ist lang für Luxusobjekte wie der Horror in "Marina D `Or". Die wilde Stadtentwicklung in der Gegend Levante ist ebenfalls nicht immun gegen diese Studien des Zerfalls des schönen Scheins. Die  massive Bebauung in der Gegend, wo sich Marina d'Or befindet (Castellón) beeinträchtigt  Strände Els Amplaries, Morro de Gos und La Concha und das sowieso schon zu trockene Umland. Man plante dort 90.000 Quadratmeter Golffläche und erbaute ein Balnario (Gesundheitsbad) im Stil der ägyptischen Paläste.  Es wurden bereits 17.920.000 Quadratmetern, mit Golfplätzen verwirklicht, weitere Hotels  mit Dienstleistungszentren, sowie Ärzten, wie Schönheits-Chiurgen sollten hier ihre Arbeit verrichten. Weiter waren  800.000 Quadratmetern für die Regierung zu einem Entertainment-Center gedacht. Doch Niemand hat bei dieser Planung an eines gedacht, Wasser! Golfplätze brauchen Wasser, hundertausende Eigentumswohnungen ebenfalls und natürlich auch das traumhafte Gesundheitsbad, das schon kurz nach der prunkvollen Eröffnung schließen mußte, weil die Turbinen defekt waren, denn man mußte Meerwasser zu Trinkwasser umwandeln.  Ähnlich verhält es sich mit "Polaris -World" in der Nähe von Murcia. All diese Projekte drohen Spaniens breitere Wirtschaft für die kommende Jahre zu untergraben, und die skurilen Skelette stehen auf ehemaligen Orangenplatgen und drohen im Müll zu versinken. Die Käufer stehen mit "Schrottimobilien" und verlassenen Bauträgern da.
Die Spanier hatten derzeit den Jubel aus der Eurozone auf ihrer Seite. Wir dachten wir sind reich und konnten uns alles leisten, sagten die Spanier und reiben sich nun verwundert die Augen, das statt des Mercedes vor der Haustür der Gerichtsvollzieher steht und die "Reichen" bis auf´s letzte Hemd auszieht. 
Selbst das Königshaus kriegt die Krise zu spüren. In dieser Woche gaben Beamte an Spaniens Königlichem Palast bekannt, dass die königliche Familie, deren Einkommen von "Aneignungen" der Regierung abhängt, ein gemindertes Einkommen im nächsten Jahr erwartet.

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